Kendo Würzburg

 

Das Training

Ausrüstung

Was habe ich denn da alles?

Beim Kendo braucht man mit der Zeit etwas mehr Equip als zum Beispiel beim Karate. Damit man eine grobe Vorstellung bekommt; hier mal eine Auflistung:
  1. Kleidung

    Keikogi
    Der Gi ist eine dicke Baumwoll - Jacke, wie in anderen Kampfsportarten üblich. Er ist recht dick gewebt, was den Grund hat, den Kendoka unermäßlich mit Schwitzen und Gewicht zu quälen... nein, Spaß bei Seite. Er ist dicker, damit fehlgeleitete Schläge wenigstens etwas gedämpft werden :-)

    Hakama
    Der Hakama ist dem früheren japanischem Reiterrock nachempfunden und wirkt optisch beinahe wie ein Beinkleid. Grund dafür ist die Verdeckung der Beinarbeit dem Gegner gegenüber und ist auch optisch sehr schön. Die 7 Falten in ihm symbolisieren die Tugenden der Samuraikämpfer und sollten gut gepflegt werden.

    In der Regel ist alle Kendo-Kleidung Indigoblau gefärbt, doch es gibt auch weiß, schwarz und rot. Da Indigo sehr stark ausblutet, sieht man zu Beginn der Karriere oft aus wie ein blauer Schlumpf.

  2. Waffen

    Shinai
    Das Shinai ist die Waffe des Kendokas. Es besteht aus Bambus, und ist in vier einzelne Streben unterteilt, welche durch ledernen Griff und Spitze zusammengehalten werden. Es ist sehr flexibel, um es elegant zu händeln und dem Gegner keine schweren Verletzungen zuzufügen. Im Schnitt hat es eine länge von 38-39 Zoll und wiegt grob 500g. Die regelmäßige Pflege und Wartung dieser Waffe ist unersätzlich um Sicherheitsrisiken zu minimieren.

    Nito - Shinai
    Auch gibt es die Möglichkeit im weit forgeschrittenen Status seines Trainings mit zwei Schwertern zu kämpfen. Dabei ist das Nito-Shinai wesentlich kürzer.

    Bokuto
    Das Bokuto - oder auch Bokken - ist ein Vollholzschwert, das in Gewicht und Form einem echten Katana nachempfunden ist. Hiermit werden nur Trefferübungen und die Kata ausgeführt, das das feste Holz für einen Vollkontaktkampf viel zu gefährlich ist.

  3. Bogu - Die Rüstung

    Die Rüstung des Kendokas dient dazu die festgelegten Trefferflächen zu schützen und Verletzungen vorzubeugen. Sie besteht aus einem Helm (Men), einem Brustschutz (Do), zwei Handgelenkschützern (Kote) und einem Tiefschutz (Tare).
    Da die Rüstung eine etwas teuerere Investition ist, sollte man erst sicher sein, dass Kendo das richtige für einen selbst ist. Auch bieten wir im Verein erst einmal Leihrüstungen an, solange man spart oder einfach nur einmal hineinschnuppern möchte.



Gültig treffen

Und wohin soll ich nun schlagen?

Tja... Wildes Gekloppe bis der Gegner wimmernd am Boden liegt? Weit gefehlt! Beim Kendo gibt es nur 4 Festgelegte Trefferzonen, die auch nur als gültigen Punkt gewertet werden, solange ein ganzer Haufen Kriterien erfüllt ist.
Für einen gültigen Treffer (Ippon) sind nötig:
  1. Eine Trefferfläche muss mit einem festgelegten Teil des Shinais getroffen werden (Monouchi)
  2. Der Abstand beim Angriff muss stimmen (Maai)
  3. Die Technik muss korrekt sein
  4. Mit aufrechter Körperhaltung muss im Moment der Treffens mit dem vorderen Fuß ein Stampfschritt gemacht werden (Fumikomi)
  5. Es ist ein starker überzeugender Kampfschrei im Moment des Treffens nötig, welcher die innere Überzeugung wiederspiegelt (Kiai)
  6. Die innere Spannung muss permanent gehalten werden um Kampfeswillen und Aufmerksamkeit zu zeigen (Zanshin)
Diese Kriterien nennt man Ki-Ken-Tai-Ichi (Zusammenspiel von Körper und Geist), und selbst nach Jahren des Training kann man immer weiter daran feilen.

Diese festgelegten Trefferzonen sind Kopf (gerade von oben oder seitlich), beide Handgelenke, der Rumpf (links und rechts leicht über Hüfthöhe) und ein Stich zum Kehlkopf.

Grundlagen

Das ultimative A und O

Auf den Grundlagen des Kendo baut alles Weitere auf. Sie umfassen Fuß- und Schrittarbeit, korrekte Schlag- und Ausholtechniken (Grundschläge auf Trefferflächen), Atmung und Körperhaltung sowie Ausdauer- und Reflextraining.
Der Bedeutung dieser Grundlagen muss man sich ständig bewusst sein und sie immer weiter verfeinern. Kendo bedeutet Streben nach Perfektion - so etwas dauert kein halbes Jahr - es dauert ein ganzes Leben lang!

Kendo - Kata

Der Weg zur absoluten Perfektion

Ein unverzichtbares Muss zum Vorrankommen ist die Kata. Sie besteht aus festgelegten Formen, davon 7 mit dem Langschwert (Bokuto) und 3 mit dem Kurzschwert (Kodachi).
Von zwei Partnern übernimmt einer immer die Lehrerseite und einer die Schülerseite, wobei der Ablauf immer gleich ist: der Lehrer greift mit einer bestimmten Technik an, und der Schüler gewinnt anschließend mit einer Gegentechnik.
Beim weiterkommen und verbessern der eigenen Kata versteht man mehr und mehr auch die direkte Anwendung mit dem Shinai, und vor allem das Prinzip des Zahnshin kann man hier nachvollziehen.

Rüstungstraining

Jetzt wird geschwitzt

Nachdem man sich ewig mit den absoluten Basics rumgeschlagen hat, und den anderen beim Keiko-Freikampf immer nur zusehen durfte, kann man es kaum erwarten endlich auch mal in Rüstung mit zu machen - und wird erst mal wochenlang nur vermöbelt und merkt, dass man eigentlich gar nichts kann :-)
Auch wenn es nicht so aussieht; es ist verdammt anstrengend. Deswegen heißt es erst mal Ausdauer antrainieren - egal ob getroffen oder nicht; der Wille und der Körper müssen stärker werden. Erst dann beginnt das eigentliche Training und man merkt wie man von mal zu mal Fortschritte macht.

Technik

Das wahre Können des Kendokas

Nachdem man die Grundlagen einigermaßen beherrscht, kann man beginnen in die verschiedenen Techniken zu blicken; die Oyo-Waza. Dabei gibt es zwei große Unterteilungen:
  1. Shikake-Waza (Die Angriffstechniken)
    Dies sind Techniken, bei denen man zum Beispiel schneller ist, als der Gegner, sich den Weg frei macht und Gelegenheiten optimal erkennt und ausnutzt.

  2. Oji-Waza (Die Kontertechniken)
    Um diese Fortgeschrittenen Techniken zu erlernen, ist es notwendig/hilfreich erst die Shikake-Waza zu trinieren und zu beherrschen. Es hadelt sich dabei um Kontertechniken, mit deren Hilfe man auf Angriffe des Gegners reagiert und somit die Oberhand gewinnt.

Freikampf

Üben was man gelernt hat

Das Ji - Keiko, der Freikampf, gibt dem Kendoka die Chance zu üben und anzuwenden was er in der Technikschule gelernt hat. In diesem Trainingsabschnitt kämpft man ohne Schiedsrichter und sonstige Rahmenbedingungen paarweise in Selbstkontrolle gegeneinander, und lernt dabei wie man die die Techniken umsetzt.
Regelmäßiges Keiko ist sehr wichtig für das eigene Vorrankommen und man sollte möglichst oft den Partner wechseln um zu merken, dass es nicht überall gleich läuft.
Gerade zu Beginn des eigenen Rüstungstrainings fällt es einem sehr schwer und man fühlt sich oft als Opfer, doch nur so kommt man vorran. Später freut man sich wenn man stärkere, erfahrerere Gegner hat als man selbst, denn man begreift: wer auf Watte schlägt wird selbst zu Watte!

Shiai

Das Kendo - Schlachtfeld; jetzt wirds ernst!

Beim Kendo gibt es natürlich auch richtige Wettkämpfe. In einem solchen kämpft man in einem 9x9m Ring, und wird dabei von drei Schiedsrichtern (Shimpan) betreut. einen gültigen Treffer bekommt man nur angerechnet, wenn mindestens zwei der drei Shimpan diesen anerkennen.
in der Regel wird zwischen 2 und 5 Minuten gekämpft und in dieser Zeitspanne gibt es kein "Entschuldigung für den Schlag auf den Ellenbogen" oder Zögern mehr; hier ist Schlachtfeld. Wer zögert, stirbt - deswegen: Vor! Vor! Vor!

Graduierung

Gibts da auch so schöne bunte Gürtel?

Wieder weit gefehlt... Keine farbigen Bändchen. Von Aussen sehen alle Kendokas gleich aus, und erst wenn man jemandem gegenübersteht, merkt man an seiner Agilität, Technik und Haltung, wie weit dieser schon in seinem Training fortgeschritten ist. Hier in Deutschland gibts es ein festgelegtes Prüfungssystem, das 6 Kyu-Grade und darauffolgende Dan-Grade einschließt, doch es erfolgt nur eine Eintragung im Kendopass über das bestehen der Prüfung und keine optische Auszeichnung. Prüfungen sind beim Kendo keineswegs notwendig, können aber nach einigen Jahren des Trainings hilfreich dafür sein zum Beispiel in der ebenbürtigen Liga auf Tunieren anzutreten.

TSV Jahn Würzburg
Abteilung Kendo